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Haushalt 2012 der Stadt Minden:

Heilsversprechen als Politikersatz

Erneut heißt es: Licht am Ende des Tunnels! Von einer Chance ist die Rede. Gemeint ist das „Stärkungspaket Stadtfinanzen“ der Landesregierung NRW. Damit soll nun endlich der Haushaltsausgleich und ein Stop der ständigen Neuverschuldung erreicht werden. Nun wird dafür das Jahr 2017 genannt.
 
Immerhin gab es Anflüge von Realismus bei einigen Ratsvertretern und beim Kämmerer: Aus eigener Kraft die Schuldenprobleme zu bewältigen wird von ihnen nicht mehr für möglich gehalten und das vorgelegte Zahlenwerk berge einige Risiken. In der Tat beruht das Zahlenwerk teilweise auf bodenlosen Spekulationen. Da werden mittelfristig erhöhte Einnahmen durch die Wirtschaftsförderung und durch einen RegioPort angenommen, dessen Bau noch nicht sicher ist und der sich vermutlich eher als Fass ohne Boden erweisen dürfte. Außerdem wird von einer mageren Gehaltserhöhung für die Beschäftigten von 1 Prozent in 2012 ausgegangen. Das dürfte abseits dessen sein, wofür die Beschäftigten in der anstehenden Tarifrunde kämpfen werden.
 
Ganz daneben liegt man allerdings bei der Beurteilung des sogenannten Stärkungspaketes als Chance für die Stadt. Einerseits erhalten die Kommunen etwas Geld vom Land, andererseits müssen sie dafür einen eigenen drastischen „Spar“-kurs einlegen. Minden wird 2012 voraussichtlich 3,5 Millionen Euro aus diesen Landesmitteln erhalten. Angesichts eines erneuten Defizits von 12,5 Millionen völlig unzureichend. Erreicht Minden die vorgegebenen Kürzungsziele nicht, setzt das Land einen Sparkommissar ein. Allerdings hat die Stadt Minden keine Wahl. Da sie zu den 34 bilanztechnisch überschuldeten Kommunen in NRW zählt, muss sie an diesem Programm teilnehmen.
 
Die Politik drastischer Kürzungen wird in Minden aber bereits seit vielen Jahren betrieben und erreichte im vergangen Jahr einen erneuten Höhepunkt, ohne das Dilemma lösen zu können. (vgl. unsere Stellungnahme zum Haushalt 2011). Jetzt werden erneut pauschale Kürzungen über die Jahre hinweg angesetzt und völlig offen ist, wie sie umgesetzt werden sollen. „Bis 2020 sind jährlich 7,6 Millionen Euro aus eigener Kraft zuzusetzen“, so Kämmerer Kresse. Damit droht in Minden der Kahlschlag. Doch eine ganz große Koalition von SPD, CDU, Grünen, Mindener Initiative und Bürger-Bündnis segnete diesen Kurs ab. Die FDP hatte lediglich formale Einwände. Grundsätzliche Kritik kam nur von der LINKEN.
 
Als Gegner hatten sich viele Ratsvertreter quer durch die Fraktionen mit Ausnahme der LINKEN den Kreis vorgenommen, der die Kreisumlage erhöhen möchte. Besonders aktiv taten sich die Grünen dabei hervor. Wollen sie mit diesen Spielchen vergessen machen, dass es die SPD-Grünen-Bundesregierung war, die den Kommunen einst die größten Steuereinbußen bescherte, unterstützt und fortgesetzt durch CDU und FDP?

Stärkungspaket ist Erpressung

Das Stärkungspaket ist kein Ausweg, sondern eine Erpressung der Kommunen. Sie werden zu rigorosen Kürzungen, Schließungen und Privatisierung öffentlicher Einrichtungen gezwungen, eventuell auch zu Entlassungen. Das Land NRW will sich damit davor schützen, für die klammen Kommunen einzuspringen, wie es verfassungsrechtlich vorgesehen ist. Dafür wird die kommunale Selbstverwaltung ausgehebelt.
 
Scharfe Kritik am sogenannten Stärkungspaket kam auch vom Landesbezirk der Gewerkschaft ver.di: „Sollte das Gesetz in der vorliegenden Form beschlossen werden, bedeutet dies einen rigorosen Eingriff in die kommunale Selbstverwaltung mit all seinen Konsequenzen. Zur Erfüllung der den Kommunen mit diesem Gesetz auferlegten Pflichten sind zukünftig weder die Schließung von Einrichtungen noch betriebsbedingte Kündigungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auszuschließen“.
 
Seit nunmehr 13 Jahren ist die Stadt Minden in der Haushaltssicherung. Immer wieder wurden neue Hoffnungen genährt, der Schuldenfalle zu entkommen und endlich einen Haushalt zu erreichen, bei dem die Ausgaben nicht die Einnahmen übersteigen. Und immer wieder wurde nichts daraus. Der Kommune wurden neue Aufgaben aufgebürdet, neue Steuergeschenke der jeweiligen Bundesregierungen an die Konzerne und die Reichen rissen neue Steuerlöcher, Massenarbeitslosigkeit und Niedriglöhne erhöhten die Sozialausgaben.

Griechenland droht überall

Die Staatsverschuldung ist das Ergebnis einer gemeinsamen Aktion von Finanzwirtschaft und ihrem politischen Personal in den Regierungen. Mit den billionenschweren Rettungsschirmen für marode Banken wurden die Staatskassen geplündert. Nun streichen diese Banken die Zinsen für ihre Rettung ein und profitieren an der Spekulation mit Staatspapieren. Steigende Zinsen bescheren ihnen zusätzliche Profite. Zur Freude der Reichen und der Konzerne, deren Reichtum sie damit vermehren. Der Reichtum Weniger erreichte neue Rekorde.
 
Im kommenden Frühjahr werden die deutschen Dax-Konzerne mit 27 Milliarden Euro die zweithöchsten Dividenden aller Zeiten an ihre Aktionäre ausschütten. Dank Dumpinglöhnen, von denen hier immer mehr Menschen nicht mehr leben können, konkurrieren deutsche Konzerne ihre Konkurrenten in Europa nieder.
 
Dieser Kurs soll weitergehen. Dafür werden in ganz Europa die arbeitenden Menschen, die Jugend und die Rentner mit einem harten „Sparkurs“ und mit der „Schuldenbremse“ drangsaliert. Griechenland ist eine Art Versuchslabor, wie weit man gehen kann. Griechenland droht überall.

Den Ausweg gibt’s nur links

Für die Kommunen, für unsere örtliche Daseinsvorsorge gibt es nur einen Ausweg: Die Politik der Umverteilung von unten nach oben muss beendet werden. Unsere Forderungen sind aktueller denn je:

Diese Forderungen können nur gegen Konzerne, Banken und ihre politischen Vertreter durchgesetzt werden.

DKP Minden, Dezember 2012

Kommentar zum Stärkungspaktgesetz NRW

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